Wednesday, 28 June 2017

Meine Reportage "Zwei verschiedene Welten" über das US-Feuerwehrsystem

Im Oö. Feuerwehr-Fachmagazin "Brennpunkt" erschien 2010/2011 mein dreiteiliger Fachartikel über das US-Feuerwehrsystem. Lesen Sie dabei mehr über die verschiedensten Aspekte der US Feuerwehren, die Ausrüstung, das Alarmierungswesen, die Taktik, Fahrzeugtechnik und vieles mehr. Nachfolgend mein Artikel auch hier nochmals zum Nachlesen und zum Herunterladen.

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Zwei verschiedene Welten

Die Unterschiede des österreichischen und US-Feuerwehrsystems;

Am Beispiel des 'Fire Department of New York' (FDNY)

Angeführte Zahlen entstammen dem Jahr 2009, umgerechnete von Fuß und Meilen wurden zur besseren Lesbarkeit gerundet

 

1Welche Bilder schweben Ihnen im ersten Moment vor, wenn Sie an die amerikanische Feuerwehr denken? Sind es die heroischen Feuerwehrmänner, die ohne Atemschutz mit der Axt in das brennende Gebäude laufen und ein Kind retten? Haben auch Sie zu oft den Film "Backdraft" gesehen?

Es ist kein Hehl, wenn man den Film "Backdraft" teilweise kritisch sieht. Er ist zwar neben seinen Konkurrenten wie etwa "Ladder 49 – Im Feuer" der mitunter berühmteste und beste Feuerwehrfilm seines Genres, woraufhin einige von uns sicherlich die Liebe zu US-Feuerwehrtrucks gefunden haben, im Gegensatz zum harten Alltag der amerikanischen Feuerwehrleute finden sich in der Tat aber einige eklatante Unterschiede – und doch auch Übereinstimmungen.

Durch einige Reisen in die Vereinigten Staaten und mittlerweile seit vielen Jahren großes Interesse am amerikanischen Feuerwehrsystem möchte ich in diesem Bericht mit einigen noch immer vorhandenen Klischees aufräumen und die Arbeits-weise und Technik der Amerikaner näherbringen. Als Beispiel nutze ich hierfür aufgrund meiner langjährigen Recherchen das Fire Department of New York City, kurz FDNY - einem der beiden größten Feuerwehrsysteme der Welt neben Tokio.

Doch zu aller erst noch einige Gedanken zum Status eines amerikanischen Firefighters! Im europäischen Raum ist ein Feuerwehrmann eine Person, die in ihrer Freizeit einen ehrenamtlichen Dienst zum Wohle der Allgemeinheit versieht. Im speziellen ältere Mitmenschen sehen uns oft mit Dankbarkeit und Freude entgegen, wenn ihnen von der Feuerwehr geholfen wird. Aber überlegen Sie doch mal, wie viele Menschen unseren Job (ich spreche in diesem Fall von der Freiwilligen Feuerwehr) als selbstverständlich ansehen und die Hilfeleistung oftmals noch dazu kritisieren. Wechseln wir nun in die USA - Jahrhunderte lange Tradition hat hier das Bild eines "heroischen" Feuerwehrmanns in die Köpfe der Bürger gebrannt. Hier wird eben dieser Mitmensch als jemand gesehen, der im Einsatzfall mitunter sein Leben riskiert, um seine Mitbürger aus Gefahren zu retten.

Nicht zuletzt die amerikanische Feuerwehrgeschichte hat oftmals bewiesen, dass – leider auch durch ein sehr hohes Maß an Blutzoll – Feuerwehrleute in der Ausübung ihrer Berufung Menschen aus den schwierigsten Situationen retteten. 3Natürlich spielen sich diese Dramen auch täglich in unseren Gefilden ab, doch die amerikanische Mentalität lässt eben solche Szenen in einem ganz anderen Bild erscheinen als in Europa. Beispielsweise bei Begräbnissen von Feuerwehrleuten, die "In the Line of Duty" – also in Ausübung ihres Dienstes – ums Leben kamen, erbieten einem hunderte Kameraden aus der eigenen als auch den umliegenden Feuerwehren die letzte Ehre, oftmals auch unter Mitwirkung von ebenso vielen Polizeibeamten und in einem Konvoi von unzähligen Feuerwehrtrucks, die mit US-Flaggen die Straßen schmücken, traditionelle Dudelsack-Bands (Pipes & Drums) untermalen die Begräbnisse mit ehrfürchtiger Musik - ein Bild, das wahrlich Gänsehaut erzeugt.

Oder als weiteres Beispiel das "Wounded Warriors Project", von dessen Einmaligkeit ich mich mit Kameraden erst kürzlich überzeugen konnte. Im Krieg verwundete Soldaten und im Dienst verletzte Feuerwehrleute werden mit historischen Feuerwehr-fahrzeugen in einem riesigen Konvoi durch den New Yorker Stadtteil Queens gefahren - die Straßen sind durch tausende Menschen gesäumt, die mit Flaggen und Dankes-Schildern den "Wounded Warriors" zurufen und für ihren mutigen Einsatz danken, eskortiert von in Landesfarben wasserspritzenden Feuerlöschbooten und Polizeihubschraubern, aus denen Polizeibeamte heruntersalutieren. Ein vergleichbares und zugleich für uns so emotionales Erlebnis gibt es hierzulande schlicht und einfach nicht. Oder wie oft werden Sie auch schon einmal nur aufgrund ihres Feuerwehr T-Shirts von einer fremden Person aufgehalten, die Ihnen voller Freudestrahlen ein "Thank you for your Service" ("Danke für Deinen Einsatz") entgegen bringt? Man mag zu dieser Einstellung stehen, wie man will. Aber es regt die eigenen Gedanken an, was es doch eigentlich bedeutet, ein Feuerwehrmann zu sein.

Interessante Einsatzzahlen vorweg:

  • 472.362 Feuerwehreinsätze (Brand- und Technische Einsätze), dabei 991.721 Einsatzfahrten der einzelnen Einsatzfahrzeuge
  • 1.224.743 EMS-Einsätze (Rettungsdienst), dabei 1.385.129 Einsatzfahrten der einzelnen Rettungsfahrzeuge
  • 6.118 Fire Investigations der Brandursachenermittlung
  • 4:32min durchschnittliche Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen
  • 5:05min durchschnittliche Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen bei EMS
  • 5.395 Einsatzfahrten im Tagebuch von Engine 75, in nur einem Jahr
  • 4.334 Einsatzfahrten im Tagebuch von Ladder 123, in nur einem Jahr
  • 1,6 Milliarden US Dollar Budget


Zur Organisation des FDNY

2Die seit 1648 bestehende Feuerwehr der Stadt New York betreibt - verteilt auf die Stadtteile Manhattan, Bronx, Queens, Brooklyn und Staten Island - nicht weniger als 221 Feuerwachen und 30 Rettungswachen mit einem Personalstand von 11.086 Feuerwehrmännern (Officers und Firefighters), 3.122 Rettungssanitätern (EMT und Paramedics) und noch rund 1.700 weiteren Angestellten (Marshals, Dispatcher, Verwaltung, etc.).

Feuerwehren in den USA sind generell in den großen Städten auf viele kleine Wachen verteilt, in denen oftmals lediglich ein oder zwei Fahrzeuge untergebracht sind. Dies ermöglicht vor allem schnellere Reaktionszeiten und das geordnete Zusammenziehen mehrerer Einheiten im Bedarfsfall. Aus diesem Grund spricht man im Falle einer "Company" nicht von einer Feuerwache im Sinne eines Hauses, sondern beschreibt ein einzelnes Fahrzeug – geführt wird sie vom Captain und bis zu drei Lieutnants. Jeder New Yorker Stadtteil ist in verschiedene "Borough Commands" und darunter in "Divisions" aufgeteilt, welche wiederum in mehrere "Battalions" gegliedert sind. Ein "Battalion umfasst dabei mehrere Einsatzfahrzeuge bzw. Wachen - also ähnlich einem Abschnittssystem. Beiden steht jeweils ein Chief vor.

In den Vereinigten Staaten gibt es landesweit die einheitliche Notrufnummer 911, derer sich Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst bedienen. Währenddessen ebenso wie zB. in Deutschland Feuerwehr und Rettungsdienst gemeinsam abgewickelt werden. Aber auch ebenso unzählige private Rettungsdienste versorgen gemeinsam mit dem FDNY die Stadt. "Emergency Medical Technicians" (EMT) und Paramedics (Rettungssanitäter) sind Mitarbeiter des FDNY-EMS . Ihre Ausbildung umfasst prinzipiell einen ähnlichen Umfang, jedoch hat er/sie an der Einsatzstelle mehr Möglichkeiten in der Behandlung und Rettung des Patienten, Paramedics sind unter anderem zur Vergabe von Medikamenten, dem Legen von Zugängen oder kleineren Noteingriffen befähigt.

Die Feuerwehrmänner und auch –frauen arbeiten klarerweise im Schichtdienst. Die "Day Tour" versieht von 09.00 Uhr Morgens bis 18:00 Uhr Abends ihren Dienst, die "Night Tour" von 18:00 Uhr Abends bis 09:00 Uhr Morgens. Jeweils nach vier Touren erhält man vier Tage dienstfrei, nach weiteren vier Touren sechs Tage dienstfrei. Um überhaupt erst den Status eines Firefighters zu erlangen, bedarf es einer rund sechsmonatigen Ausbildung in der FDNY Fire Academy auf der kleinen Insel "Randall's Island", ehe man als "Probie" - also blutiger Anfänger - ein Jahr lang auf Probe Dienst in seiner Einheit versieht. Die Warteschlangen für die schwierigen Auswahltests sind lange, die Anforderungen hoch. Nur die Besten der 4Besten werden auserwählt und müssen sich einer beinharten Ausbildung stellen, dafür lohnen später ein sicheres Gehalt und soziale "Benefits" wie die lebenslange Sozialversicherung für sich selbst und die Familie oder ein annehmliches Urlaubskontingent für die Mühen. Trotzdem bedarf es vielen Feuerwehrleuten an Zweitjobs, um das Gehalt für den teils doch höheren Lebensunterhalt aufzubessern.

Neben dem FDNY sorgen in New York City noch weitere Einsatzorganisationen für Sicherheit. Auch das NYPD, die New Yorker Polizei, bietet neben den klassischen Exekutivaufgaben mit seiner Spezialeinheit "ESU" (Emergency Service Unit) eine unverzichtbare Ergänzung. Die Mitglieder dieser mit dem SWAT und der österreichischen COBRA vergleichbaren Spezialeinheit rücken unter anderem neben Geiselbefreiungen auch zu Verkehrsunfällen, Suizidankündigungen oder Wasserrettungseinsätzen aus – die notwendige Ausrüstung wird natürlich auf den großen Einsatzfahrzeugen mitgeführt. Zweite große Institution ist das PAPD, das "Port Authority Police Department", etwa die Hafenbehörde, die für viele öffentliche Stellen wie die U-Bahn-Verbindung "PATH" nach New Jersey, die Flughäfen oder den Hafen verantwortlich zeichnet und ebenso Spezialkräfte sowie Flughafenfeuerwehren einsetzt.

Und – man glaubt es kaum, aber in manchen weit entfernten und privaten Wohngegenden auf Staten Island und in Queens-Rockaway gibt es auch Freiwillige Feuerwehren.

Ein wesentlicher gemeinsamer und immer mehr an Priorität gewinnender Einsatzbereich sind Bedrohungsszenarien resultierend aus der Terrorgefahr und Bombendrohungen. Hier wird laufend in neue Systeme, Ausrüstung und Fahrzeuge investiert, Sicherheitskonzepte müssen dem heutigen Stand der Gefährdungen angepasst werden, Großübungen testen die Einsatztauglichkeit solcher möglichen Großschadensereignisse. "9/11", der 11. September 2001, hat uns allen in schrecklicher Weise vorgeführt, was jederzeit passieren kann. An diesem Tag ließen 343 Feuerwehrleute des FDNY ihr Leben.

6Feuerwehrfahrzeuge (Apparatus)

Einer der wohl größten Unterschiede zum europäischen System betrifft die Fahrzeugtechnik. Aber nicht nur für uns Österreicher wirkt die Größe und vergleichsweise sparsame Beladung der US-Fahrzeuge als unausgeglichen, US-Amerikaner bewundern unsere Fahrzeuge mit offenen Augen über ihre vielfältige Ausstattung. Doch sieht man sich die Einsatzzwecke in den USA näher an, ergibt sich durchaus viel Logik. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines täglich im Einsatz stehenden Fahrzeugs in New York City beträgt etwa 10 Jahre, vor allem die teils schwierigen Straßenzustände setzen den schweren Trucks nämlich oftmals sehr zu. Die Besatzungen der Engine und Ladder Companies variieren nicht zuletzt auch aufgrund von Sparmaßnahmen zwischen 1:3 und 1:5. "Lights and Sirens" – unübersehbar und unüberhörbar sind die Einsatzfahrzeuge in den Staaten unterwegs, eine Vielzahl an Blitzern und Drehlichtern lässt die Fahrzeuge schon von Weitem gut erkennen. Das Farbschema "White over Red", also oben weiß und unten rot mit gelben Streifen, ist für New York typisch, so hat jedes Fire Department seinen eigene Stil und eigene Farben an den Fahrzeugen, sei es rot, weiß, gelb, lila oder schwarz.

Standard-Löschfahrzeug ist die "Engine" oder auch anderswo "Pumper" genannt, ein Tanklöschfahrzeug des US Herstellers "Seagrave" mit einer Einbaupumpe bei 3.700l und einem 1.900l Wassertank. Einziger Unterschied sind die "High Pressure Pumper" mit 7.500l Fördermenge pro Minute, die speziell in Gegenden mit vielen Hochhäusern stationiert sind. Die verschiedenen Typen von Schläuchen sind allesamt im "Hose Bed" am Heck des Fahrzeugs in Buchten verstaut, Schlauchpakete für die Arbeit mit Steigleitungen sind an der 

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Fahrzeugseite gehaltert. Der vordere "Bumper", also der Vorbau am Fahrzeug, beinhaltet den Pumpeneingang, die Zubringleitung und einen Schnellangriff. 198 Engines stehen derzeit im Einsatz.

Drehleitern ("Aerials") im klassischen Sinn, wie sie bei uns zur Personenrettung im Einsatz sind, gibt es nicht. Die 143 Hubrettungsfahrzeuge des FDNY gliedern sich in drei Typen. Zum einen verwendet das FDNY "Rearmount Ladder Trucks" des Herstellers Seagrave mit einer Leiterlänge von 75ft (23m) über 95ft (29m) bis hin zu 100ft (30m) - sie besitzen generell keinen Rettungskorb. Weiters steht die "Tower Ladder" zur Verfügung, sie besitzt einen Teleskopmast mit einem Rettungskorb und Wasserwerfer. Die dritte Art der Drehleitern ist die "Tiller Ladder" oder auch "Tractor Drawn Aerial (TDA)", ein Zugfahrzeug mit Sattelauflieger ähnlich der Rearmount Ladder. Die hintere Achse des Aufliegers wird dabei von einem Feuerwehrmann gelenkt, dem sogenannten "Tillermen". Diese Vielzahl ergibt sich wie in anderen Städten auch durch die verschiedenen Anforderungen der Gebäudetypen und vieler weiterer Faktoren. Interessantes Detail am Rande: Auf den Drehleitern sind die hydraulischen Rettungsgeräte, hier "Spreader and Cutter" oder auch "Jaws of Life" genannt, verlastet. Entgegen unserem System rückt hier eine Drehleiter zu einem Verkehrsunfall aus, da auf ihr sämtliche Rettungsgeräte und das Zubehör aufgepackt sind.

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In jedem der fünf Stadtteile ist eine "Rescue"-Einheit stationiert. Diese rollenden Werkzeugkästen und zugleich Eliteeinheiten des FDNY führen ähnlich ei

nem Rüstfahrzeug große Mengen an Werkzeugen, Rettungsgeräten, Seilen und hydraulischen Geräten mit. Das Besondere an der Rescue-Einheit ist jedoch die Besatzung. Um überhaupt Teil dieser hoch angesehenen Crew werden zu können, bedarf es einer umfassenden Zusatzausbildung in Bereichen wie etwa Höhen- und Tiefenrettung, Wasserrettung, Einsturz-Rettung und vielem mehr. Die fünf Rescue Trucks entstammen den Herstellern "E-One" und neuerdings "Pierce". "Squad" ist der Begriff für eine weitere Spezialeinheit, ähnlich der Rescue Trucks, jedoch äußerst vielseitig im Einsatzauftrag. Die sieben Einheiten sind mit Seagrave Fahrzeugen ausgestattet, die äußerlich einer Engine ähneln, aber mehr technische Ausrüstung mitführen. Die Crew ist für alle Eventualitäten des Feuerwehralltags trainiert und kann zu jedem Einsatzauftrag hinzugezogen werden, wenn es Spezialkräften bedarf.

Kommandofahrzeuge im klassischen Sinn gibt es ebenso keine, hier sind 61 "Battalion"- und "Division" Cars zumeist der Type "Ford Excursion" im Einsatz. Mit ihnen sind die jeweiligen Kommandanten der Division oder des Batallions unterwegs, eben Division Chief's und Battalion Chief's. Sie rücken nicht immer wie in unserem System in Lösch- und Technischen Zügen sofort mit aus, sondern werden je nach Einsatzlage hinzugezogen. Hazmat-Trucks sind spezielle Gefährliche-Stoffe-Fahrzeuge, die sämtliches Material zur Beseitigung solcher Gefahrenquellen mitführen. Ihnen bzw. auch teilweise den Squad Companies und strategisch ausgewählten Einheiten gehören oftmals noch kleinere Transportfahrzeuge an, die ebenso beispielsweise Schutzanzüge mit sich führen – die "CPC Units" (Chemical Protection Clothing).

8Satellites übernehmen im Falle eines Großeinsatzes die Wasserförderung und Wasserverteilung auf andere Fahrzeuge. Spezielle Verteilsysteme und hochleistungsfähige Pumpen bringen das geförderte Wasser an jede gewünschte Stelle. Ebenso werden etliche Liter Schaummittel und eine leistungsfähige "Deck Gun" (Wasserwerfer) mitgeführt. Darüber hinaus stehen neben einigen Feuerlöschbooten – unter ihnen das neueste und derzeit leistungsfähigste Feuerlöschboot der Welt – viele andere Spezialfahrzeuge im Fuhrpark, rund 90 an der Zahl. Beispielsweise Einsatzleitfahrzeuge, EMS-Gefahrgut-Fahrzeuge, Einheiten zum Auftauen von Eisflächen an Einsatzstellen, Versorgungsfahrzeuge für Atemschutzeinsätze (Mask Service Unit und RAC-Units), Großraum-Rettungsbusse und viele mehr.

Insgesamt nutzt die New Yorker Feuerwehr also nicht weniger als rund 450 Einsatzfahrzeuge! Noch nicht inkludiert sind hier die zusätzlichen unzähligen Rettungsfahrzeuge des EMS-Dienstes sowie etliche Reservefahrzeuge und außer Dienst gestellte Trucks als Ersatzfahrzeuge.

Seit dem Jahr 2009 wird sukzessive eine neue Tranche bei Engine und Ladder Trucks eingeführt, das Modell "Seagrave Marauder II", welches ein erhöhtes Kabi-nendach und einige wesentliche Neuerungen rund um die Kabine besitzt. Aus der Zukunft in die Vergangenheit – hier sei noch ein sehr spektakuläres Fahrzeugsystem des FDNY erwähnt, das "FDNY Super Pumper System" (SPS), welches ab den 60er-Jahren aus zwei mächtigen Trucks und drei Satellite-Fahrzeugen bestand – seinerzeit im Gesamtwert von 875.000 US Dollars! Es gab dem FDNY die Möglichkeit, zum einen enorme Mengen an Löschwasser zu fördern und diese mittels einer 2.400 PS starken Zentrifugalpumpe mit der Fördermenge von bis zu 37.000 Litern pro Minute Richtung Brandstelle zu bewegen. Dazu bestand der gesamte Zug aus dem genanntem "Super Pumper", dessen Sattelauflieger eine einzige riesige Wasserpumpe darstellte und dem "Hose Wagon" oder "Super Tender", der mit knapp 2.500m Schlauchleitung (das entspricht 125 Norm-B-Schläuchen!) auf Trommeln, zwanzig Saugschläuchen, Verteilern und einem mächtigem Wasserwerfer bei einer Literleistung von maximal 38.000l (!) einem überdimensionierten Schlauchfahrzeug entspricht. Im Einsatzfall ersetzte das SPS zehn konventionelle Engines. Bei seinem größten Einsatz der Geschichte, einem 11. Alarm in Brooklyn, förderte das SPS die unglaubliche Menge von mehr als 28 Millionen Litern Salzwasser aus dem nahen Hafenbecken! Zitat eines damaligen Chiefs: "Wir waren überwältigt vom Sound, als wir mit der Wasserförderung begonnen, es war wie an den Niagarafällen". In den 80er-Jahren reduzierte man das System zur Wasserförderung jedoch auf die auch heute noch eingesetzten Satellite-Fahrzeuge, die "Super Pumper"-Trucks sind heute in privatem Besitz. Wer weitere Informationen zu diesem Thema sucht, kann im In-ternet und in Büchern vielerlei Lesenswertes finden.10


Das Alarmierungswesen

Wählt man den Notruf 911, gelangt man zuerst in die Notrufzentrale der New Yorker Polizei, welche im Falle eines Feuerwehreinsatzes den Notruf sofort an die jeweilige Stadtteils-Kommunikationszentrale des FDNY weiter"dispatched". Der dort sitzende Dispatcher erfasst alle nötigen Informationen des Vorfalls und des Anrufers, wodurch das bewährte Computersystem "Starfire" automatisch einen Alarmierungsvorschlag zusammenstellt. Im Wege über weitere Dispatcher erfolgt parallel die Zuweisung der Alarmierungen an die einzelnen Feuerwehreinheiten. Die Bearbeitung des gesamten Notrufs bis zur Alarmierung dauert im Durchschnitt 29 Sekunden.

Per Knopfdruck erfolgt sodann die Alarmierung der einzelnen Fahrzeuge. In der Feuerwache wird ein Alarmgong ausgelöst, der eine Sprachdurchsage für das betreffende Fahrzeug ausgibt, also beispielsweise "Engine, Ladder" oder nur "Battalion". Zeitgleich empfängt der Alarmcomputer im Feuerwehrhaus den Einsatzauftrag ebenso wie die Computer in den Fahrzeugen selbst, welche zudem mit Statusfunk ausgerüstet sind.

Die Ausrückezeit ist sehr kurz, relativiert sich aber leider in der Anfahrtszeit wieder klarerweise durch die für New York City typische Verkehrsproblematik. Aus diesem Grund hat sich in der Stadt wie auch landesweit die "First Responder" Taktik bewährt. Bei lebensbedrohlichen Einsätzen des Rettungsdienstes wird automatisch das dem Einsatzort nächste Feuerwehrfahrzeug mitalarmiert, Rettungsfahrzeuge haben nämlich längere Anfahrtszeiten aufgrund der geringeren Stationsdichte. So kann es durchaus sein, dass im Zuge der Alarmierung zu einer bewusstlosen Person ein Feuerwehrfahrzeug (unabhängig, ob zum Beispiel eine Engine oder Tiller Ladder) als ersteintreffendes Fahrzeug die Einsatzstelle erreicht, gefolgt von einer Ambulance. Die Einsatzcrews der Feuerwehrfahrzeuge sind dafür zudem mit Paramedics bzw. EMT's bemannt.

Weitere Arten der Alarmierung sind die "Alarm Boxes" - ähnlich uns bekannten Notrufsäulen, die entlang den Straßenkreuzungen und an öffentlichen Plätzen stehen. Von dort aus kann mittels Zugklappe eine Verbindung direkt mit der Polizei- oder Feuerwehr-Notrufzentrale hergestellt werden. Natürlich zählen auch automatische Brandmeldeanlagen und Sprinklerüberwachungen – die sogenannten "Class 3 Alarms" oder "Automatic Fire Alarms" – zu den Alarmmöglichkeiten. Übrigens werden in New York City zusätzlich zur genauen Adresse sogenannte "Box-Nummern" verwendet, was bedeutet, dass jedes Objekt eine von rund 16.000 Box-Nummern besitzt, welche genau auf ein bestimmtes Objekt schließen lässt.

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Während der Anfahrt und am Einsatzort eingetroffen, nutzen Feuerwehr und Polizei ein Code-System, beispielsweise bedeutet "10-4" (gesprochen "ten four") nichts anderes als "Verstanden". Der Captain eines Fahrzeuges oder der Gesamt-Einsatzleiter haben darüber hinaus die Möglichkeit, einen Einsatz in der Alarmordnung zu einem höheren Alarm hoch zu stufen. In jeder Alarmstufe erhält der Einsatzleiter dadurch weitere Verstärkung in der Form von zusätzlichen Engine und Ladder Companies sowie Spezialfahrzeugen. Die erste Stufe ist der "All Hands" Alarm der Stufe 1, welcher 12 Fahrzeuge an die Einsatzstelle ruft. Einer der größten Brandeinsätze der letzten Jahre – ein 10th Alarm in Brooklyn im Jahr 2006, bei dem ein komplettes Lagerhaus zum Raub der Flammen wurde. Bedenkt man, dass mit einem "2nd Alarm" schon 25 Fahrzeuge und 108 Feuerwehrleute entsandt werden, bedarf die Dimension dieses Einsatzes wohl keiner weiteren Erklärung.

Einsatztaktik

Grundsätzlich müssen hier die verschiedenen Fahrzeugbesatzungen auseinander gehalten werden, da diese im Einsatzfall teils völlig autark agieren. Dazu am Beispiel eines Brandeinsatzes, wie die Einsatzeinheiten eingesetzt werden:

Werden Battalion oder Division Chief's hinzugezogen, übernehmen sie vom bis-her zuständigen Captain die Gesamt-Einsatzleitung. In den Kommandofahrzeugen werden dazu Tische mitgeführt, auf denen aus einem Zubehörkoffer ein großer Taktikplan und somit auch eine Lagekarte – der "Command Post" – aufgebaut werden können. Die Engine Crew ist nur für das Löschen des Feuers zuständig, baut die Zubringleitung vom nächstgelegenen Hydranten zum eigenen Fahrzeug und bei größeren Einsätzen zu anderen Fahrzeugen auf. Während die Ladder Crew in der Erstphase für die Schaffung von Zutrittsöffnungen zum Objekt zuständig ist, übernimmt sie in weiterer Linie bzw. parallel dazu die Personensuche und Belüftung ("Ventilation") des Gebäudes. Mitglieder der Rescue & Squad 12stehen für Spezialeinsätze zur Verfügung, beispielsweise würde ein Firefighter im Gebäude vermisst werden oder ist es ein Einsatz mit vermissten/eingeschlossenen Personen. Auch für eventuelle Gefahrgutquellen sind diese Einheiten speziell gerüstet. Und zuletzt die High Rise Units, sie werden dann alarmiert, wenn es sich um Brände oder Zwischenfälle in Hochhäusern handelt und führen spezielles Gerät dafür mit.

Vor allen vielleicht noch so seltsam erscheinenden Einsatztaktiken darf natürlich keinesfalls die Abhängigkeit dieser von den vielen Gebäudetypen in den nordamerikanischen Städten vergessen werden! Genau auf diese sind die Taktiken nämlich nach jahrelangem Erfahrungsstand aufgebaut worden, seien es die für New York City typischen "Brownstone Buildings" oder "Multiple Dwellings", meist mehrstöckige, schmale und verwinkelte Gebäude oder die ebenerdigen "Taxpayer", Shops mit Flachdach und Glasfassade. Die Innenkonstruktion all dieser Gebäude sowie der üblichen Wohnhäuser besteht größtenteils aus Holz und bietet daher selbst einfachsten Entstehungsbränden schnelle Nahrung, weshalb uns aus den Vereinigten Staaten auch heute noch regelmäßig die Bilder von in Vollbrand stehenden Gebäuden erreichen. Größte Gefahr beherbergen diese hölzernen Konstruktionen natürlich für die Einsatzkräfte, eine der meisten Todesursachen von Feuerwehrleuten ist in brennenden Gebäuden nach Einstürzen von Deckenkonstruktionen und Fassaden zu finden. Um auch nach dem offensichtlichen "Brand Aus" noch eventuell vorhandene Glutnester ausschließen zu können, werden grundsätzlich Deckenverkleidungen oder Holzfassadenteile mit Einreisshaken und Motorsägen geöffnet.

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Fahrzeugbesatzung

Jedes Besatzungsmitglied hat eine zugewiesene Position im Fahrzeug, als Beispiel hier die Aufgaben der Teammitglieder einer Engine und einer Ladder.

Beginnen wir mit der Engine Crew: Vorne im Fahrzeug zum einen natürlich der "Chauffeur" oder auch "Engineer", also der Maschinist. Er lenkt das Fahrzeug, bedient die Einbaupumpe und ist für die Wahl des Hydranten zur Wasserversorgung zuständig. Aufgrund seines relativ statischen Arbeitsfeldes rund um seine Engine sieht man die Maschinisten oft in nur luftiger Arbeitskleidung bei ihrem Fahrzeug arbeiten. Ihm zur Seite sitzt der Officer des Fahrzeugs, also der Gruppenkommandant meist im Rang eines Lieutnants oder Captain, er ist gleichzeitig Einsatzleiter am ersteintreffenden Fahrzeug. Der "Nozzle Man" als Strahlrohrführer und dessen "Backup" als schlauchführender Truppmann bekämpfen das Feuer im Innenangriff und wirken mit gezieltem Sprühstrahl aus den Fenstern an der Entlüftung der Räume mit – ihre Verbindung nach außen ist der "Control Position Man", er baut die Schlauchleitung vom Fahrzeug zum Strahlrohr auf und kümmert sich um die Schlauchreserve und Auslegung des Schlauchs zum Brandort. Meist ist er ein erfahrener Feuerwehrmann, der das Geschehen beobachtet und notfalls eingreifen kann.

Gehen wir über zur Ladder Company – wieder ein Officer führt die Gruppe, während der Chauffeur das Fahrzeug fährt und die Drehleiter bedient. Die erste Drehleiter leitert übrigens im Brandfall standardmäßig sofort an das Dach an, die Steuerung erfolgt hier nur vom Hauptsteuerstand aus im Stehen. Der "Can Man" und der "Iron Man" arbeiten gemeinsam als "Forcible Entry Team" - sie schaffen mit einem Feuerlöscher und Brechwerkzeugen wie dem hydraulischen Rabbit-Tool und dem Halligan-Tool Zugang zum Gebäude bzw. Brandraum. "Outside Vent" ist jene Position, dessen Firefighter die Belüftung des Gebäudes nach außen übernimmt, das heißt er oder sie schafft Öffnungen zum Brandraum, etwa durch Zertrümmern von Fenstern oder durch das Beseitigen von Türen oder Fassaden. Mit dem "Roof Man" ist die Besatzung schließlich komplett, das jedem bekannte Bild der Feuerwehrleute am Dach mit ihren Motorsägen. Sie geben zuerst dem Einsatzleiter eine Lagemeldung über die Lage am Dach und öffnen schließlich zur Belüftung die Dachhaut durch gezielte Ausschnitte. Dies ist einer der gefährlichsten Jobs, immer wieder kommt es zu Einstürzen ("Collapse") der Dächer. Eine interessante Taktik der 13Drehleiterbesatzungen ist übrigens auch, direkt mit der Spitze der Leiter die Fenster zum Brandraum einzuschlagen, dies erspart Zeit und sorgt für eine schnelle Belüftung.

Zwar keine Fahrzeugbesatzung, aber ein ebenso wichtiges Mitglied einer Schicht ist jener Kollege, der als "Housewatch" eingeteilt ist. Er verbleibt während der gesamten Schicht im Feuerwehrhaus und kümmert sich um alle dort anfallenden Aufgaben. Sei es das Entgegennehmen von Telefonaten und Alarmmeldungen oder das Empfangen von Besuchen. Auch die hausinterne Tankstelle und die Einrichtungen in der Fahrzeughalle müssen in Schuss gehalten werden. Jedoch nicht die Reinigung und Sauberkeit im Haus, dies ist traditionell Aufgabe des "Probies".

Persönliche Schutzausrüstung

Die Schutzausrüstung der New Yorker Feuerwehr besteht teils wie im gesamten Land üblich auch aus traditionellen Stücken wie etwa dem Schutzhelm. Die Helme in der typischen US-Form sind aus hochwertigen Stoffen des Herstellers "Morning Pride" gefertigt, jedoch nutzt ein Großteil der Feuerwehrleute noch die Helme ihrer Väter und teils noch Großväter. Diese noch aus Leder gefertigten Helme werden von Generation zu Generation weitergegeben. Ein vorne angebrachtes "Bourke Eye Shield" schützt ähnlich einem technischen Visier vor Splittern und Funkenflug. Rund um die Helmschale verläuft ein starkes Gummiband, in dem neben einer "Garrity"-Helmlampe auch Holzkeile und oftmals auch persönliche Gegenstände wie etwa Heiligenbilder mitgeführt werden. Die Helmschilder definieren anhand der Farbe des Innenteils die Zugehörigkeit zu einer Engine, Ladder, Rescue oder Spezialeinheit - oder aber auch den Status eines "Probies". Weiße Helme werden von den Chief's getragen.

14Die Schutzjacke und Schutzhose, das sogenannte "Bunk Gear", des Herstellers "Morning Pride" ist ähnlich unserer modernen Schutzbekleidung mit Nomex-Materialen verarbeitet, die Hosen haben in der Hüfte bereits Rettungsgurte eingear-beitet. Sicherheitsstiefel und dicke Wildleder-Handschuhe sind handelsübliche Produkte, werden jedoch im gesamten Department einheitlich verwendet.

Das Atemschutzgerät – sogenannter "Self Containing Breathing Apparatus" (SCBA) ist ständiger Begleiter der Crew, außer dem Maschinisten. Auch wenn der Einsatzgrund oftmals noch so unwesentlich erscheint, die Mannschaft hat immer den Atemschutz mit sich oder zumindest in unmittelbarer Reichweite. (Überdruck-)Atemschutzmasken sind mit einem Netztuch ausgestattet, das idealen Halt über der Flammschutzhaube bietet. Entgegen aller Klischees aus Filmen wie "Backdraft" wird im Einsatz doch Atemschutz getragen! Zur Befüllung der Flaschen werden die leeren und vollen Atemluftflaschen im Firehouse in Gittercontainern gesammelt, wo sie dann regelmäßig zur Befüllung ausgetauscht werden.

Besonderheit – in New York City ist jeder Feuerwehrmann mit einem Funkgerät ausgestattet!

Ein Besuch in New York City

Gerade in den Sommermonaten, außer bei extremer Hitze, sind die Tore der Fahrzeughallen immer geöffnet. So ist es für Besucher und Feuerwehrleute einfach, mit den diensthabenden Feuerwehrleuten in Kontakt zu treten, sofern sie nicht gerade beschäftigt sind. Stellt man sich als Feuerwehrmann vor, wird man sofort herzlich empfangen, die Feuerwehrmitglieder in den USA stehen Besuchern und insbesondere Feuerwehrkollegen aus dem Ausland sehr offen gegenüber und freuen sich über jeden Besuch. Natürlich muss man selbst auch eine Portion Gefühl mitbringen, nicht unbedingt in den Feuerwachen an den meist frequentierten Plätzen der Stadt 15einzukehren. Natürlich nimmt man sich hier widerwillig auch die Zeit für eine Führung, aber bedenkt man die tägliche Zahl der Besucher, die dort ankommen, sollte es schon ein klares Nein für einen langen Besuch sein.

Hier empfiehlt sich auf alle Fälle die Wahl von Feuerwachen etwas abseits des großen Trubels oder überhaupt in den Bezirken Brooklyn oder Queens. Hier hat man durchaus sogar mehr Zeit oder Lust für längere Führungen. Im Internet finden sich jede Menge Infos, Verzeichnisse und Besuchstipps für genau solche Feuerwehrbesuche, in den USA auch "Fire Buffing" genannt. Übrigens sind Tauschgeschenke wie Abzeichen (Patches) oder T-Shirts immer gern gesehen!


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