GWD/Güssing/Jgb19

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Beitragvon Kenkuro am 4. Jan 2016, 19:44

Ab 11.1. bin ich für sechs Monate Soldat in der Montecuccoli-Kaserne, stationiert in Güssing, Burgenland - im Jägerbattaillon 19, auf Wunsch.

Ich werde versuchen, meine Erlebnisse, Erfahrungen et cetera wöchentlich hier hineinzuschreiben. Falls ich es mal nicht schaffe, dann bestimmt,
weil ich eine längere Zeitspanne über im Freien sein werde.
Die Montecuccoli-Kaserne wird als "Musterkaserne" und "modernste Kaserne Europas" gepriesen - äußerlich sieht sie ziemlich vielversprechend aus -
und ich kann es kaum erwarten, dorthin zu kommen.
Kenkuro
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Re: GWD/Güssing/Jgb19

Beitragvon Tetsuo am 27. Jan 2016, 12:54

Na ich bin gespannt was du zu erzählen hast !!
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Re: GWD/Güssing/Jgb19

Beitragvon Kenkuro am 6. Feb 2016, 15:51

So, jetzt erzähle ich euch einmal etwas vom Grundwehrdienst in der Montecuccoli-Kaserne.

Ich bin einen Tag früher eingerückt. Wir bekamen unsere Schlüssel, und dann ab in die Zimmer. Vorerst bin ich noch in der Stabskompanie. Danach Selbststudium Dienstgrade.

Als streng kann man die Ausbilder nicht bezeichnen. Sie verlangen eben was von dir ab, und wenn sie sehen, dass du dich ins Zeug legst, dann helfen sie dir umso mehr. Im Prinzip sind sie nichts anderes als Lehrer.

Betten gebaut, am Tag danach Ausrüstung ausgefasst. Mein Rücken ist diese Belastung nicht gewohnt, aber es ist auszuhalten. Spindordnung hergestellt und dann unter Zeitdruck die Adjustierung(=Uniform) hergestellt (=angezogen). Rucksack et cetera an uns angepasst.

Sturmgewehr 77 (geiles Gerät) und ABC-Schutzmaske aufgefasst, das Gewehr fühlt sich richtig gut an in den Händen.
Zerlegen/zusammenbauen etc., Charakteristika und die 5 Gebote werden Auswendig gelernt.

Exerzierdienst. Absolut einfach. Stehen, drehen und gehen. Alles wird bis zur Vergasung geübt, oder wie viel Zeit eben zur Verfügung steht. Wenn man länger im Schritt marschiert, kommt das einem wie meditieren vor.

Sport: Lockerer Laufschritt, mehrere Runden in der Kaserne. Goldene 5 und K2. Kondition und Kraft steigt im Laufe der Wochen beträchtlich, ist natürlich sehr motivierend.

In der zweiten Woche war ich krank und hab das erste Mal Scharfschießen verpasst! Hat mich sehr geärgert, da ich mich schon so sehr drauf freute. Auch bei den Waffengattungen (Man sucht sich aus, was man später machen will - sprich Versorgungstrupp, Pionier, Fernmelder, Aufklärer, Jäger, Scharfschütze, Granatwerfer etc.) war ich nicht dabei - ist aber weniger dramatisch, da ich mich schon vorher für die Jäger gemeldet hatte.

In der dritten Woche gab's Nachschulung, was gut war, denn ich möchte auf keinen Fall zurückbleiben. Der Ausbilder war gut aufgelegt, wir haben viel gelacht.

Erste-Hilfe-Kurs und Wachdienst standen an der Tagesordnung. Für den Erste-Hilfe-Kurs hatten wir so wenig Zeit, dass es fast schon pervers war. Ich aß schnell zu Abend und ging rasch zurück zur Übungspuppe, um alleine zu üben.

Den Wachdienst-Test haben viele nicht ernst genommen, infolgedessen gab es für diese Leute einen Wiederholungstest. Ich hab' mir währenddessen mit etwas Chips im Aufenthaltsraum Columbo angeschaut ;)

Das Stehen und das Tragen der Ausrüstung macht mir fast nichts mehr aus, die anfänglichen Rückenbeschwerden sind weg. Man vergisst beim Gehen manchmal, dass man überhaupt etwas oben hat.

In der vierten, also der vergangenen Woche, stand in der ersten Hälfte Sport (Etwas für die Arme, also Liegestütze, Laufen, und dann noch was für die Brust, also Liegestütze, haha) und Selbstverteidigung. Es wurde viel gebrüllt. Man will ja auch nach außen (vor der Kaserne ist eine Art Einkaufszentrum, da ist viel los) einen guten Eindruck machen. Außerdem boostet das die Motivation erheblich!

Die andere Hälfte war üben für die Angelobung. Wir haben ein Marschlied gelernt (Schwer mit den Schätzen), aber waren derart schlecht, dass es hingegen wieder lustig war. Was aber verwunderlich war: Wir haben das Lied ab und zu untereinander spontan gesungen, sei's bei der Zimmerreinigung, im Speisesaal oder beim Schuhputz! Das macht Laune.

Und weil ich gerade beim Essen war: Alles wird fertig gekocht und in die Kaserne geliefert. Die Ratio von gutem Essen/schlechtem Essen ist ca. 3/1. Wer aber wirklich was Tolles zu essen will, der geht hoch auf das Restaurant in der Burg. Ich hatte den Hühnerspieß mit Wurst, Speck und Kartoffeln, und dazu bekam ich einen Dessert-Teller auf's Haus :)

Gestern war die Angelobung, bei der ich in der vordersten Reihe stand. Das Wichtigste ist: Befreie deinen Geist. Nach ein paar Minuten marschieren und/oder stehen vergisst du, dass du überhaupt da bist. Alles ist automatisiert, dein Körper arbeitet von allein.

Das war das erste Monat. Fragen?
Kenkuro
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Re: GWD/Güssing/Jgb19

Beitragvon ivo am 7. Feb 2016, 18:23

Schön mal zur Abwechslung positive Eindrücke zu hören! :smt023
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ivo
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Re: GWD/Güssing/Jgb19

Beitragvon d_mkd am 28. Feb 2016, 13:53

Schöner Bericht :)
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